Schulische Erziehung in Forst/Eifel

Fest steht, daß für den Unterricht in unserer Pfarrei Forst die Stiftsschule in Karden zuständig war, insbesondere für die Heranbildung junger Kleriker. Wahrscheinlich wird es nur den begüterten Familien möglich gewesen sein, ihre Kinder dorthin zu schicken.
Für alle übrigen wird es wohl beim Auswendiglernen der wichtigsten religiösen Wahrheiten, Gebete und Gesänge, die ihnen ein sogenannter Leutpriester beigebracht hat, geblieben sein. Die Bestimmungen Karls des Großen gerieten in der Folgezeit immer mehr in Vergessenheit, so daß ein Schulzwang, wie wir ihn kennen, während des ganzen Mittelalters nicht bestand. Es blieb auch während des ganzen Mittelalters Sache der Kirche, in der Person des Bischofs und Kurfürsten für die Unterrichtung der Gläubigen zu sorgen. Immer wieder wurden von diesen die Pfarrer ermahnt, auf die Bildung der Gläubigen in religiöser Hinsicht, aber auch in den Kenntnissen des Lesens und Schreibens und der einfachen Rechenarten zu drängen.
Dieses wurde auch bei den einzelnen Visitationen überprüft.
Die Möglichkeiten zur Durchführung dieser gutgemeinten Anordnungen waren gering. Meist mußte der Pfarrer selbst die Kinder unterrichten, bisweilen hatte er auch einen Küster, der ihnen die Grundkenntnisse beibringen konnte, oder es fand sich sonst jemand, der sich dazu fähig hielt. Zwar sollten diese sogenannten Lehrer bei der Einstellung und auch später von Zeit zu Zeit überprüft werden, doch um den Unterricht nicht ganz zu gefährden, wird man dabei ziemlich großzügig vorgegangen sein.
Es ist verständlich, daß der Beruf des Lehrers nicht besonders angesehen war, mußte er doch seine Entlohnung in Naturalien oft genug von den Leuten erbetteln.
Im Pfarrort selbst konnte er sich, wenn möglich, durch den Küsterdienst ein Zubrot verdienen, dagegen war er besonders in den Filialorten meist dazu verpflichtet, die niederstoßenden Arbeiten wie Schweine hüten, sowie das Halten von "Fasselvieh" wie Bock, Eber oder Stier zu verrichten. In einem Protokoll des Archidiakonates Karden von 1680 wird festgestellt, daß in den meisten Pfarreien eine Pfarrschule besteht, sowie die nötigen Stiftungen, um den Unterrichtenden einigermaßen zu bezahlen. Im Jahre 1685 verlangt Erzbischof Johann Hugo bei den Visitationsverordnungen für das Archidiakonat Karden für die Anstellung durch den Pfarrer einen frommen Wandel, ehrbare Sitten, einen Beweis seines Wissens, abgelegt vor dem Land-Dechanten, sowie die Kenntnis des Tridentinischen Glaubensbekenntnis. Erst dann erhielt er vom Land-Dechanten ein Befähigungszeugnis. Seitens der Eltern war auch um diese Zeit noch die Einstellung zur Schule so, daß man es lieber sah, wenn die Kinderfleißig auf dem Feld und zu Hause mithalfen, als daß sie sich schulisch weiterbildeten. So kam es, daß die Schule während der Sommer- und Herbstmonate ganz ausfiel. laut Fabricius befand sich in Forst im Jahre 1621 noch keine Schule. Es soll sich aber ein Jüngling angeboten haben, das Amt des Schulmeisters zu übernehmen. Sonntags hielt der Pfarrer von 1. - 2. Uhr Katechismusunterricht. Wahrscheinlich hat er das aber auch nicht regelmäßig gemacht, denn es heißt, daß der Unterricht nur schlecht besucht war, und daß er wegen des Unterrichts von hoher Stelle angemahnt wurde.
1656 wird erstmals ein hauptamtlicher Lehrer erwähnt. Namentlich als seine Nachfolger er- scheinen um 1700 ein Augustinus Thor und ein Johannes Betzeler.
Dessen erste Frau stirbt 1713 und hinterläßt ihm zwei Kinder. Wahrscheinlich hatte das Amt des Lehrers um diese Zeit doch schon an Ansehen gewonnen, denn zwei Jahre später heiratet er eine Frau "aus gutem Hause". Ebenfalls ein Zeichen des gehobenen Ansehens des Lehrers ist die Stellung, die der nachfolgende Johann Peter Hartung einnimmt. 1691 in Allenz geboren, erscheint er 1729 unter dem Titel eines "Ludirector" in Forst. Ob diese auffallende Bezeichnung "Schulleiter" miteinschließt, daß ihm noch weitere Lehrkräfte zur Verfügung standen, ist nicht bekannt. Er war übrigens auch Gerichtsschreiber, übte 65 Jahre lang seinen Beruf aus und starb im hohen Alter von 92 Jahren. Ihm folgte sein Sohn Georg Wilhelm als "Ludimagister" (Lehrer). Bezeichnend für alle diese Lehrer ist, daß sie oft als Pate oder Trauzeuge sowohl bei den angesehenen Familien, als auch bei den als "vagi" bezeichneten, also bei den nicht aus der Pfarrei stammenden und nicht seßhaften Familien erscheinen.
Bei den einen war es also schon etwas Besonderes, Lehrer als Paten oder Onkel zu haben, bei den anderen mußten sie in ihrem Nebenberuf als Küster als Nothelfer einspringen.
Der Kurfürst Klemens Wenzeslaus war es dann, der gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts generell eine Schulreform durchführte. Die Lehrer wurden besser bezahlt und brauchten in der Gemeinde keine niederen Arbeiten mehr auszuführen. Dafür mußten sie den Nachweis einer besseren Ausbildung (Besuch von Lehrerschulen) in einer Prüfung erbringen. Sie waren ab jetzt verpflichtet, das Amt des Küsters mitzuversehen, um ein ihrer Stellung gemäßes Einkommen zu erzielen. Eine Kommission überprüfte, ob und in welchem Zustand in den einzelnen Pfarreien später Schulhäuser vorhanden waren. Wahrscheinlich fällt auch in diese Zeit der Bau des ersten Schulhauses in Forst, das dann im Jahre 1912 durch ein größeres mit Lehrerwohnung ersetzt wurde. Nach der französischen Revolution und die Übernahme des Rheinlandes durch Preußen ging dann die Organisation des Schulwesens an den Staat über. Es würde zu weit führen, die einzelnen Lehrer, die in der Folgezeit in Forst ihren Dienst taten, aufzuzählen. In Erinnerung aus den Erzählungen der älteren Leute bleibt mir der Lehrer Zimmer, der um die Jahrhundertwende auch bis ins hohe Alter seinen Dienst als Lehrer und Küster mit echt preußischer Korrektheit und Strenge versah. Anzumerken bleibt noch, daß im Rahmen der Schulreform 1974 die Schule in Forst aufgelöst wurde. Ab diesem Zeitpunkt fahren die Kinder per Bus in die Grundschulen von Brohl und zeitweise auch Binningen, sowie in die Hauptschule nach Treis. Letzter Schulleiter in Forst war Herr Lehrer Birlmeier.
Abschließend noch eine Bemerkung: Es liegen wohl Welten zwischen den mit Drohungen versehenen Bestimmungen Kaiser Karls, sie sind auch nur in ihrer Zeit zu verstehen, und der Schulordnung unserer Zeit, aber der Zwang, der heute auf den Jungen und Mädchen liegt, zu lernen, um "möglichst gute Noten" zu erreichen, und um eine Lehrstelle zu bekommen, dürfte kaum geringer sein.

von Alfons Gilles (Jahrbuch 1996 Cochem-Zell)

Quellen:
Professor Jakob Marx: „Geschichte der Pfarreien der Diözese Trier“
Familienbuch der Pfarrei Forst 1856 – 1798



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